Düker und Regenüberlaufbecken in Loschwitz geplant
Zum Großprojekt hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, die gemeinsam mit dem Ortsverein nach besten Lösungen sucht
Das Abwasser aus Loschwitz, Bühlau, Rochwitz und Weißer Hirsch wird seit den 1930er Jahren über zwei durch die Elbe führende Rohre, sogenannte Düker, in den Altstädter Abfangkanal auf der Blasewitzer Seite geleitet. Die Anlage ist an ihre Leistungsgrenze gekommen und genügt umweltrechtlichen Ansprüchen nicht mehr. Geplant ist der Bau neuer Düker und eines neuen Entlastungskanals sowie eines Speicherbauwerkes (Regenüberlaufbecken) mit integriertem Hochwasserpumpwerk auf dem Gelände des Parkplatzes unterhalb der Alten Feuerwache. Im Stadtbezirksbeirat Losch witz fand eine erste Information der Beiräte statt. Es wird ein Großprojekt mit erheblichen Belastungen für Anwohner und Gewerbetreibende, da während der Baumaßnahme der Parkplatz nicht zur Verfügung stehen wird. Die Baugrube für das Stauwerk wird mindestens 40 x 17 Meter groß und sieben Meter tief sein. Auf der Fidelio-F.-Finke-Straße muss ein Rohr mit 1,5 Meter Durchmesser sieben Meter tief verlegt werden. Dennoch können, so die Planer, mit dem 15 Millionen Euro teuren Projekt viele Probleme gelöst werden. Alte, dem heutigen Stand der Technik nicht mehr entsprechende Anlagen werden danach außer Betrieb genommen. Die jährlich in die Elbe eingeleitete Mischwassermenge wird halbiert und wäre vorgereinigt. Auch bei Hochwasser wäre dann eine sichere Entsorgung des Abwassers möglich. Frühestens 2022 soll der Bau beginnen.
Fragen eines Anwohners und Antworten der Stadtentwässerung Dresden GmbH:
Frage 1.
Wird das unterirdische, rechteckige RÜB als Durchlaufbecken im Mischwasser- Hauptschluss oder im Nebenschluss geplant?
Antwort:
Es ist eine Anordnung des RÜB im Nebenschluss geplant.
Frage 2.
Wird für den Fall eines RÜB im Nebenschluss ein gemeinsames Trenn- und Überlaufbauwerk vorgesehen?
Antwort:
Es ist ein gemeinsames Trenn- und Überlaufbauwerk geplant, in dem die Dükeranschlüsse zur gedrosselten Ableitung in den Altstädter Abfangkanal, ein Geröllfang und der Beckenüberlauf integriert sind.
Frage 3.
Wie wird das Drosselbauwerk gestaltet und gesteuert?
Antwort:
Der Abflussdrosselung auf die erforderliche Weiterleitungsmenge zur Kläranlage dient der Doppeldüker (DN 300 und DN 500), der aufgrund seiner durchmesserabhängig eingeschränkten hydraulischen Leistungsfähigkeit als Rohrdrossel fungiert. Ein gesteuertes Drosselbauwerk ist nicht vorgesehen.
Frage 4.
Erhält das RÜB einen Klarwasserüberlauf? Wenn ja, welchen? Einen einfachen geschlitzten oder ein verstellbaren, durchsatzgesteuerten?
Antwort:
Für das RÜB ist ein Klarwasserüberlauf in Form einer Überlaufschwelle vorgesehen, die als eingehängte Rinne geplant ist. Der Klarwasserüberlauf ist weder geschlitzt, noch verstellbar oder gesteuert. Die Regulierung des Klarwasserüberlaufes und damit die Beschränkung der Fließgeschwindigkeit im RÜB erfolgt über die aufeinander abgestimmte Anordnung der Schwellenhöhen und -längen des Klarwasser- und des Beckenüberlaufes.
Bei Elbehochwasser und dadurch eingeschränkter freier Vorflut zur Elbe erfolgt die Abförderung der Abflüsse des Klarwasserüberlaufs mittels Hochwasserpumpwerks in die Elbe. Die Förderleistung des Hochwasserpumpwerks ist so bemessen, dass die Beschränkung der Fließgeschwindigkeit im RÜB eingehalten wird.
Frage 5.
Welche Reinigungseinrichtung zur Entfernung von Ablagerungen wird gewählt?
Antwort:
Es ist eine kombinierte Beckenreinigungsanlage aus Spülstrahlreinigern und vier Spülkippen vorgesehen.
Frage 6.
Es ist ein oberirdisches Pumpenhaus vorgesehen, das den Weiterbetrieb des RÜB bei Elbehochwasser gewährleisten soll. Dienen diese Pumpen auch in einem Umpumpsystem der Beckenreinigung und nach Regenende der Beckenentleerung?
Antwort:
Das Pumpwerk zur Hochwassersicherheit ist in das RÜB integriert und ist damit Bestandteil des unterirdischen Bauwerks. Oberirdisch ist nur ein Funktionsgebäude für EMSR, MS-Trafo sowie Lüftungsanlage geplant.
Für die Beckenentleerung wird ein weiteres Pumpwerk genutzt, welches ebenfalls in das unterirdische RÜB integriert ist und gleichzeitig der Entwässerung der westlichen Friedrich-Wieck-Straße dient (Mischwasserpumpwerk). Für die Beschickung der Spülkippen mit Klarwasser zur Beckenreinigung sind separate Pumpen vorgesehen.
Frage 7.
In der ersten Projektvorstellung in Loschwitz wurde informiert, dass das RÜB ein Explosions- und Emissionsschutzsystem erhält, um die möglichen Gefahren und Geruchsbelästigungen im angrenzenden touristisch stark frequentierten Wohngebiet mit hohem Gewerbeanteil u.a. in Form von Gaststätten auszuschließen. Wie ist dieses System aufgebaut und wie ist seine Funktion?
Antwort:
Hinsichtlich der Einhaltung des Explosionsschutzes wird die Richtlinie 2014/34/EU (Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Februar 2014 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten für Geräte und Schutzsysteme zur bestimmungsgemäßen Verwendung in explosionsgefährdeten Bereichen) durch die Umsetzung der Betriebssicherheitsversordnung (BetrSichV) und der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) beachtet.
Da im RÜB eine gefährliche explosive Atmosphäre nicht auszuschließen ist, werden Vorkehrungen getroffen, dass es nicht zu einer Explosion kommen kann. Alle relevanten elektrischen Geräte insbesondere auch die Pumpen werden deshalb mit Explosionsschutzeinrichtungen ausgeführt. Diese sind für einen Betrieb in einer explosiven Atmosphäre zugelassen. Weiterhin werden die entsprechenden Anlagenteile regelmäßig auf ihren sicheren Zustand hin überprüft.
Der Emissionsschutz hinsichtlich des Geruchs wird mit Luftfiltern Klasse G4 vor den Abluftöffnungen gewährleistet.
Für die Einhaltung des Lärmemissionsschutzes der Lüftungsanlage sind Schalldämpfer zur Einhaltung der Schalldruckpegel 50 dB(A) für tags (kein Nachtbetrieb vorgesehen) und der Einsatz von schalldämpfenden Komponenten (Kulissenschalldämpfer) vorgesehen.
Frage 8.
Sind für den Fall des Versagens des Explosionsschutzsystems angesichts seiner Lage in einem sensiblen, kombinierten Wohn- und Gewerbegebiet Berstscheiben für den Fall des Auftretens von Verpuffungen vorgesehen?
Antwort:
Berstscheiben sind nicht vorgesehen und konstruktionsbedingt auch nicht erforderlich.
Frage 9.
Wie wird die Zuverlässigkeit des Explosionsschutzsystems im Dauerbetrieb über Jahre eingeschätzt?
Antwort:
Alle Anlagenteile werden regelmäßig überprüft. Beim Feststellen von Alterungserscheinungen wird ein Austausch der entsprechenden Geräte vorgenommen. Damit wird die Zuverlässigkeit des Explosionsschutzes über die gesamte Anlagenlebensdauer nicht verringert.
Frage 10.
Wird ein modernes Prozessleitsystem für den Betrieb der kompletten Anlage vorgesehen, dass gem. o.g. Quelle folgendes enthält: a) die automatische Steuerung und Regelung von maschinellen, elektrisch angetriebenen Aggregaten, b) die Auslösung automatischer Störmeldungen und die Fernüberwachung rund um die Uhr und c) die Überwachung des Betriebsverhaltens durch die Erfassung der Häufigkeiten und Dauern von Einstau- und Entlastungsereignissen?
Antwort:
Für den Betrieb der Anlage kommen erprobte hardwarenahe Steuersysteme zum Einsatz. Das Prozessleitsystem hat für dieses Objekt eine beobachtende und überwachende Funktion, welche rund um die Uhr in Betrieb ist. Auch erfolgt darüber eine automatische Auslösung von Störmeldungen, welche auf der Leitwarte der Stadtentwässerung Dresden zur Anzeige gebracht werden. Eine stetige Überwachung des Betriebsverhaltens, unabhängig von der Anzahl und Dauer der Einstau- und Entlastungsereignisse, ist damit gegeben.
zu a) Es erfolgt eine automatische Steuerung und Regelung vor Ort entsprechend der Füllstände bzw. Durchflüsse und Wasserstände der Elbe.
zu b) und c) Eine Fernübertragung der Daten erfolgt über das Kanalleitsystem der SEDD mittels Fernmeldekabel.
Frage 11.
Wie wird der Reinigungsgrad des RÜB nach jeder Entlastung kontrolliert? Mit Kameras oder immer durch Personal vor Ort?
Antwort:
Es sind Wartungsgänge durch Personal der SEDD vorgesehen.
Frage 12.
Wird das RÜB in bestimmten Zeitabständen geöffnet und manuell befahren, z. B. für Wartungsarbeiten, Entfernung von mineralischen Ablagerungen (Sand, Kies, Splitt) vom Boden und Feinreinigungen. Wenn ja, in welchen Zeitabständen?
Antwort:
Das RÜB wird nach jedem Starkregen, mind. aber aller 6 Wochen inspiziert. Bei festgestellten Ablagerungen erfolgt bedarfsabhängig eine manuelle Nachreinigung. Bei ähnlichen Becken ist dies viertel- bis halbjährig notwendig.
Frage 13.
Gibt es im Zuständigkeitsbereich der Stadtentwässerung weitere RÜB ähnlicher Größe, die konstruktiv und funktionell so aufgebaut sind wie das Loschwitzer RÜB? Wäre die Stadtentwässerung bereit, interessierten Bürgern eines dieser Becken in absehbarer Zeit zu zeigen einschl. Einblick in die zentrale Messwarte und Fragen zu beantworten?
Antwort:
Die Stadtentwässerung betreibt im Stadtgebiet 5 weitere Regenüberlaufbecken, die funktionell mit der geplanten Anlage vergleichbar sind. Eine Besichtigung einer dieser Anlagen wäre denkbar, sofern es die Corona-Pandemie wieder zulässt. Hierzu wenden Sie sich bitte an Herrn Torsten Seiler, Leiter unserer Investitionsabteilung.

Textblock 2
