Beitrag aus dem Elbhang-Kurier (09/99)

Gaststättengeschichten: „Luisenhof“

Rendezvous mit „Luise“

Nach 5-jähriger Schließzeit ist es nun endlich soweit, Dresden hat seinen geliebten „Luisenhof“ wieder. In der Chronik des über 100jährigen Gebäudes beginnt ein neues Kapitel.
Aufmerksam wurden von den Dresdnern nach der Schließung 1994 die Geschehnisse um dieses beliebte Lokal verfolgt. 1997 begannen die Um- und Ausbauten. Der „Luisenhof“ unterzog sich wieder einmal einer Verjüngungskur. Die Anwohner nahmen mehr oder minder gelassen die große Betriebsamkeit auf der kleinen schmalen Bergbahnstraße hin. Baumaßnahmen bringen Streß auch für Nichtbeteiligte und so lud der neue Betreiber des Restaurants, Herr Haas, auch als erstes die Nachbarn - Loschwitzer und Hirschler - am Sonntag, dem 8. August 1999 in den „Luisenhof“ ein.
An diesem Sonntag war eine fast schon nicht mehr gewohnte Anzahl Menschen auf der Plattleite unterwegs und auch die
in den letzten Jahren eher mäßig frequentierte Standseilbahn „spuckte“ ungewohnt viele Fahrgäste an der Bergstation aus. Schön war das, fast wie in alten Zeiten, als die Gäste in den „Luisenhof“ strömten.
Man war gespannt darauf, wie sich das beliebte Lokal präsentieren würde.
Die Überraschung ist groß. Tritt man durch die zweite Eingangstür, öffnet sich vor einem ein einziger, großzügig gestalteter Raum. Durch die vergrößerten Fenster hat man das gesamte Panorama vor sich. Die Tische sind in verschiedenen Ebenen um eine dem Flußlauf der Elbe nachempfundene Bartheke angeordnet, die den Raum optisch teilt. Die Gäste können ihre Blicke schweifen lassen, denn Sicht hat man von jedem Platz. Der Lindengarten ist schon von der Tür her einsehbar und unter den schattigen Linden haben etwa 100 Gäste Plätze mit atemberaubendem Ausblick, wovon an diesem herrlichen Sommerabend reichlich Gebrauch gemacht wurde nach so langer Abstinenz.
Alles wirkt sehr großzügig und modern. Orange ist die Farbe der Wände in der Mitte des Restaurants, die sich im Gestühl des mittleren Bereichs fortsetzt. Der separate Raum oberhalb des Lindengartens, der für Familien- und andere Feiern vorgesehen ist, man könnte ihn wegen des Anstrichs auch „Blauen Salon“ nennen, enttäuscht mich ein wenig durch seine etwas nüchterne Bestuhlung. Doch auch hier bietet sich jetzt durch größere Fenster der Blick in die Ferne.
Der größte Teil der anwesenden Gäste ist in einem Alter, wo man annehmen kann, daß sie schon in ihrer Kindheit und Jugend mit den Eltern zum „Luisenhof“ kamen, ihren ersten Tanztee, den ersten Ball, den ersten Flirt und viele frohe Stunden hier erlebt haben, sozusagen den „Luisenhof“ in den unterschiedlichsten Epochen seiner langen Geschichte erlebten. Und auch mit ansehen mußten, wie so ganz allmählich der Glanz des „Luisenhofes“ verblaßte, bis die Lichter ganz ausgingen.
Viele bekannte Gesichter sind zu sehen. Man kommt ins Gespräch und Erinnerungen werden ausgetauscht. Manch einer hat schon Mühe, sich die alten Räumlichkeiten vorzustellen. So wird rekapituliert – hier war das Kuchenbüffet, dort der Eingang zum Restaurant. Hier war das fensterlose Musikzimmer, dessen Plätze nicht so sehr beliebt waren. Die Säulen geben Orientierungshilfe.
Der „Luisenhof“ war seiner Zeit immer ein wenig voraus. Jeder Umbau brachte sensationelle Neuerungen, so 1928 der Bau der Terrassen, des Dachgartens und der Tiefgarage nach Plänen des Baumeisters Sterneck. So auch der Umbau und die Rekonstruktion (1997-1999) von Architekt Walter Mayer aus Starnberg, der durch die Wegnahme der Trennwände eine Großzügigkeit erzielte, die ganz sicher ein Gewinn ist.
Das Gebäude, das strengen denkmalpflegerischen Auflagen unterliegt, ist in fünf Ebenen gegliedert, wovon zwei das Restaurant einnimmt und die anderen Ebenen 15 Wohnungen beinhalten, die umgeben von Terrassen von höchster Wohnqualität sind. Besonderes Augenmerk wurde darauf verwendet, den gastronomischen Bereich strikt von den Wohnbereichen zu trennen. Deshalb erhielt der „Luisenhof“ vom Parkplatz aus einen gläsernen Aufzug und beim Bau wurde auch auf den höchsten Schallschutzwert geachtet.
Das Restaurant verfügt über 300, der angrenzende Salon, der bei Bedarf durch Schiebetüren abgetrennt werden kann, über 40 Plätze. Die Räume sind vollklimatisiert, so daß die Fenster, die mit einer Wärmeschutz-Verglasung ausgestattet sind, nicht geöffnet werden müssen. Die beiden gastronomischen Ebenen wurden mit einer Fußbodenheizung ausgestattet, und somit wird die Großzügigkeit der Räume durch keine Heizkörper gestört.
Einen Wermutstropfen gibt es aber doch! Die so gern besuchte, unter dem Restaurant liegende, ehemalige Tanzbar ist heute Tagungs- und Seminarraum für maximal 150 Teilnehmer, der variabel ausgestattet, auch für andere Feiern nutzbar ist. Die der Bar direkt vorgelagerte Tanzterrasse ist heute, mit Carports versehen, zum Parkplatz für die Mieter umfunktioniert und kann mit Fug und Recht als schönster Parkplatz Dresdens bezeichnet werden. Schade!!
Trotz noch nicht ganz abgeschlossener Ausstattung und einem verständlicherweise noch nicht aufeinander eingespielten jungen Team, dem man aber die Freude über diesen schönen Arbeitsplatz anmerkte, war dieser erste Abend ein gelungener. Der Wettergott spielte mit. Bis spät in den Abend saß man beisammen, ließ es sich bei den dargereichten Speisen und Getränken gut gehen und freute sich, wieder hier oben, hoch über Dresden einkehren zu können.
Ja, man kann sagen, die alte ehrwürdige Dame „Luise“ hat sich liften lassen, zeigt sich uns in ganz modernem Gewand, im Scheinwerferlicht jedoch entfaltet sie ihren alten Charme. Ganz sicherlich wird sie die Herzen der Dresdner wieder erobern und diese und ihre Gäste werden sie lieben wie eh und je.

Helga Oelker

Bild:
Bild: Ein Plausch mit dem Koch zum Eröffnungstag im Biergarten des „Luisenhofes“
Ein Plausch mit dem Koch zum Eröffnungstag im Biergarten des „Luisenhofes“
Bild: Helga Oelker und Sabine Kaiser vom Ortsverein gratulieren dem neuen Wirt, Herrn Haas Fotos: Jürgen Frohse
Helga Oelker und Sabine Kaiser vom Ortsverein gratulieren dem neuen Wirt, Herrn Haas
Fotos: Jürgen Frohse