Beitrag aus dem Elbhang-Kurier (3/2005)

Der Treidelpfad – ein Stück heimatlicher Kulturgeschichte

150 Jahre Treidelpfad von Loschwitz bis Pillnitz

Das noch heute sichtbare und zum Teil schon wieder freigelegte Sandsteindeckwerk des Treidelpfades ist schon etwas betagt. Vor etwa 150 Jahren wurde in Loschwitz mit dem systematischen Ausbau des Treidelpfades, umgangssprachlich auch gern „Damm“ genannt, begonnen. Bis dahin war dieser Uferweg der Bomätscher, ihr eigentlicher „Arbeitsweg“, ein kaum befestigter Trampelpfad.
Gemäß der Schifffahrtsakte von 1821, die aus der Schlussakte des Wiener Kongresses von 1815 hervorging, in der der gezielte Ausbau der Elbe festgehalten und begründet wurde, wird im Artikel 28 von den damaligen sieben Elbe-Anliegerstaaten – Österreich, Sachsen, Preußen, Dänemark, Mecklenburg-Schwerin, Anhalt und Hamburg – festgelegt, dass das Fahrwasser und die Treidel- oder Leinpfade freigehalten werden sollen: „... dass sie sich anheischig machen, eine besondere Sorgfalt darauf zu verwenden, dass auf ihrem Gebiet der Leinpfad in guten Stand gesetzt, darin erhalten und, so oft wie es nötig sein wird, ohne einigen Aufschub auf Kosten desjenigen, den es angeht, wieder hergestellt werde, damit in dieser Beziehung der Schifffahrt nie irgendein Hindernis entgegenstehe.“
Doch es sollte bis zum Ausbau einer Elbufer-Befestigung im Dresdner Raum, speziell hier bei Loschwitz, noch einige Zeit vergehen. Erst in den Jahren 1851 bis 1854 konnte am Loschwitzer Ufer mit dem Neubau des Deckwerks begonnen werden. Der alte Treidelpfad in Niederpoyritz, von der ehemaligen Dampferanlegestelle bis zur „Schanzschenke“, und der über Hosterwitz nach Pillnitz, vorbei an den ehemaligen Bädern, wurde als nächstes in den Jahren von 1862 bis 1865 ausgebaut. Anschließend, von 1865 bis 1868, konnte das Deckwerk für die fehlende Uferstrecke in der Flur Wachwitz errichtet werden. So entstand nach einer insgesamt 15-jährigen Bauzeit entlang der Elbe von Loschwitz nach Pillnitz ein technisch eindrucksvolles Bauwerk, für uns heute ein historisches Baudenkmal – der alte, neue Treidelpfad.

Arbeiten am Treidelpfad in den letzten Jahren

Seit Mai 2004 arbeiten im Auftrag des Ortsamtes Dresden-Loschwitz bis zu fünf ABM-Mitarbeiter am Treidelpfad der Elbe von Loschwitz nach Wachwitz.
Sie graben und schaufeln Meter für Meter und legen das alte Sandsteindeckwerk des Pfades frei. Beim Abtragen der Erde muss immer wieder kontrolliert werden, dass der vorgegebene Winkel vom Deckwerk zur Böschung der Elbwiese eingehalten wird, damit trotz des zum Teil recht großen Höhenunterschiedes die Schräge nicht zu steil wird. Denn auch starker Regen soll zur Elbe hin abfließen, statt die neue Befestigung abzuspülen und zu zerstören. Die Grasnarbe wird in handlichen Quadraten, auch Soden genannt, abgestochen und fein säuberlich auf die schräge Fläche der Böschung aufgebracht. Durch sorgfältiges Angießen der Soden wird sichergestellt, dass sie schnell am Mutterboden anwachsen können. Bisher wurden in mühevoller Handarbeit etwa 1300 Meter Treidelpfad freigelegt, beginnend am Festplatz in Loschwitz bis derzeit auf Höhe des Pferdehofes Schmidt in Richtung Wachwitz.

Doch sind diese Mitarbeiter gar nicht die Ersten und Einzigen, die am Elbe-Treidelpfad im Ortsamtsbereich Loschwitz arbeiten, ihn freilegen, pflegen und warten. Michael Dilger, wohnhaft am Wachwitzer Elbhang, hatte den alten Treidelpfad von seinem Fenster aus immer weiter zuwuchern sehen. Daher entschloss er sich im Herbst 2001 selbst zu Hacke, Schaufel und Schere zu greifen, um dem Verschwinden des Treidelpfades Einhalt zu gebieten. Bis zum Sommer 2002 hatte er etwa 500 Meter – das Stück zwischen dem Wachwitzbach und der Fähre in Niederpoyritz – von eingewachsenem Strauchwerk befreit sowie das Sandsteinpflaster des Deckwerks freigelegt und gesäubert. Die „Sächsische Zeitung“ würdigte diesen monatelangen, ehrenamtlichen Einsatz mit einem Artikel und einem Foto.
Die verheerende Flut im August 2002 setzte auch den Teil des Treidelpfades, den Herr Dilger gerade erst freigelegt hatte, unter Wasser. Aber bereits im Jahr darauf organisierte er mit neuer Kraft weitere Arbeitseinsätze. Dank seiner und auch der Hilfe der vom Ortsamt Loschwitz eingesetzten ABM-Mitarbeiter konnte der Treidelpfad von Wachwitz bis zum Trafohäuschen am Hosterwitzer Wasserwerk wieder in seinem alten Zustand freigelegt werden. Auch heute noch sieht man Michael Dilger an schneefreien Tagen mit Hacke und Spaten dem Gestrüpp unermüdlich zu Leibe rücken.
Für die in diesem Frühjahr vom Ortsverein geplanten Arbeitseinsätze zur Pflege und Reinigung des Treidelpfades hoffen wir darüber hinaus auf viele fleißige Helfer!

Was wurde bis Januar 2005 am Loschwitzer Treidelpfad erreicht?

Es konnten etwa 1300 Meter Treidelpfad (das Deckwerk) freigelegt werden, dabei wurden neun alte Ringsteine mit Ringen bzw. nur mit Ösen und neun alte Vermessungspunkte (Profilsteine), deren weißer Farbanstrich und die Nummernbezeichnungen zum Teil noch recht gut erhalten sind, gefunden. In dem Zusammenhang wurden etwa 550 Kubikmeter Abraum abgetragen und auf die vorher mit dem Dresdner Umweltamt abgesprochenen Freiflächen (alte Trampelpfade, Senken usw.) verfüllt sowie 600 Quadratmeter abgestochene Grasnarbe an der neu angelegten Böschung angepflanzt.

Dank an alle Mitstreiter

Es versteht sich, dass solche Aktivitäten nur möglich sind, wenn viele mithelfen: Dank zu sagen ist den Ämtern, die den Ortsverein Loschwitz-Wachwitz unterstützt bzw. an dem Projekt mitgearbeitet haben.
Dem Amtsleiter, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Wasser- und Schifffahrtsamtes Dresden möchten wir danken für die sehr gute und konstruktive Zusammenarbeit, vor allem auch für die Bereitstellung von zum Teil sehr altem Kartenmaterial, aus dem wir u. a. die Bauzeiten des Deckwerkes ermitteln konnten und in die wir nun die wieder freigelegten alten Ring- und Profilsteine eintragen können.
Auch den Mitarbeitern des Dresdner Umweltamtes (Sachgebiete Untere Wasserbehörde und Untere Naturschutzbehörde) ist zu danken: Sie stellen uns ebenfalls Karten zur Verfügung und bemühen sich sehr, uns Möglichkeiten zum Verfüllen des Abraums auf den Elbwiesen aufzuzeigen.
Schließlich sei dem Ortsamtleiter, Dr. Norbert Zimmermann, und seiner Verwaltungsleiterin, Gisela Lange, gedankt. Ohne ihre Unterstützung und Entscheidung, den Treidelpfad wiederherzustellen und dafür ABM-Mitarbeiter einzusetzen, wäre der Elbe-Treidelweg auch heute noch eine zugewucherte Grasnarbe.
Der gewaltige Kraft- und Zeitaufwand, der sich für die Freilegung des vor einhundertfünfzig Jahren neu errichteten Elbedammes mit seinem wunderschönen Sandsteindeckwerk als notwendig erwies und erweist, ist dem Wert dieses wichtigen kultur- und wirtschaftsgeschichtlichen Baudenkmals durchaus angemessen.

Text und Fotos: Christine Karla Schröder,
Ortsverein Loschwitz-Wachwitz e. V.

Bild: Der wieder freigelegte rechtselbische Treidelpfad im Blick gen Loschwitz zur Elbbrücke „Blaues Wunder“
Der wieder freigelegte rechtselbische Treidelpfad im Blick gen Loschwitz zur Elbbrücke „Blaues Wunder“
Bild: Umfangreiche Erdabtragungen sind bei der Freilegung des Treidelpfades notwendig
Umfangreiche Erdabtragungen sind bei der Freilegung des Treidelpfades notwendig
Bild: Freigelegter Ringstein
Freigelegter Ringstein
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Bild: Mit dem Sandsteinpflaster des Deckwerkes kamen auch viele Ritzzeichnungen wieder zum Vorschein
Mit dem Sandsteinpflaster des Deckwerkes kamen auch viele Ritzzeichnungen wieder zum Vorschein