Handel und Gewerbe in Loschwitz – Körnerplatz

Nachdem 1893 die Stahlfachwerkbrücke „Blaues Wunder“ über die Elbe zwischen Loschwitz und Blasewitz fertiggestellt worden war, veränderte das die Gestaltung des Körnerplatzes vollständig. Die kleinteilige dörfliche Bebauung wich einer geschlossenen vielgeschossigen Bebauung im städtischen Flair. Alle diese neuen Häuser haben im Erdgeschoß Geschäfte.
Am ehemaligen Standort des Kolonialwarengeschäftes von Franz Möbius (um 1893) wurde der Gebäudekomplex Körnerplatz 8 errichtet. Im „Goldenen Schiff“, wie dieses Haus genannt wird, zwischen Körnerweg und Brückenstraße, befanden sich anfänglich drei Läden.
Am Ende der Front Richtung Brücke war dazu noch ein kleiner Holzkiosk angebaut, der sehr unterschiedlich genutzt wurde. Viele Bewohner von Loschwitz erinnern sich noch, daß um 1915 dort die Trinkhalle Löffler war. Auch an den Eispavillon von Martha Leder erinnern sich viele aus ihrer Kindheit und Jugendzeit, sowie an die Auslagen von „Sport-Rost“. In jüngster Vergangenheit begann hier Peter Eisermann 1990 seine Selbständigkeit, als er auf kleinstem Raum mit Bilder-Rahmungen den Grundstein für die „Galerie am Damm“ legte, bevor der Kiosk 1994 abgerissen wurde.
Von März 1992 bis 2002 befand sich hier das Friseur- und Kosmetik-Geschäft „Haar-Pflege“. Ursprünglich waren das zwei Geschäfte.
In dem kleinen schmalen gab es um 1915 die Putzmacherin Frau Lehmann. In den 30er Jahren weist Reklame auf Radio-Jäckel hin, das ungefähr bis Ende der 50er Jahre bestand. Später wurde das Geschäft als Lager zuerst vom „Dürerhaus“ und danach vom Schreibwaren-Geschäft genutzt.
Im größeren Geschäft waren um 1915 die Färberei Pistorius, ihr folgten Foto-Gaudernack und nach 1945 „Montblanc-Fiedler“ (ehemals Waisenhausstraße) und das Schreibwaren-Geschäft von Herrn Reichert bis 1986. Von 1987 bis 1991 hatte Rainer Höhme hier sein Geschäft für Büro- und Schulbedarf mit Kopierservice. Anschließend bis 1992 war es eine Filiale von „Buch & Kunst“. Nach 2 Jahren Leerstand eröffnete hier im Septmber 2004 ein Antiquitäten-Geschäft.
Im Eckgeschäft hatte F.W. Karl Schmidt sein Kaffee-Geschäft und Kolonialwarenhandel, das als F.W. Karl Schmidt Nachf. 1932 Anton Graebel übernahm. 1945 wurde ein Teil des Ladens für das Sportgeschäft von Walter Rost abgetrennt. Seine Frau, die Schneiderin Wally Rost, arbeitete in der Wohnung, die Beratung der Kunden und die Anproben fanden aber in einer Kabine im Sportgeschäft statt. „Sport-Rost“ existierte bis 1974.
Das Lebensmittelgeschäft Graebel wurde 1958 aufgegeben. Es wurde das erste HO-Selbstbedienungs-Lebensmittelgeschäft, das ab September 1967 auch eine Diät-Abteilung hatte. Es wurde 1989 geschlossen. Ab Februar 1989 richtete hier Doris Ferstl ein Reformhaus ein, das sie 1991 nach der Borsbergstraße verlegte. Im Februar 1993 eröffnete in diesen Räumen für kurze Zeit die Hypo-Service-Bank eine Filiale und von Juli 1999 bis Anfang 2000 war das „Café Straßbourg“ nur eine Episode im „Goldenen Schiff“. Jetzt befindet sich hier „Der Bärenladen“. Zwischenzeitlich gab es noch ein griechisches Restaurant.

(Aus unserer Foto-Ausstellung „Handel und Gewerbe in Loschwitz einst und jetzt – Körnerplatz“ zum 10. Elbhangfest 2000)

Bild: Körnerplatz um 1890 vor dem Bau der Brücke
Körnerplatz um 1890 vor dem Bau der Brücke
Bild: Körnerplatz nach der Umgestaltung im Zusammenhang mit dem Brückenbau
Körnerplatz nach der Umgestaltung
im Zusammenhang mit dem Brückenbau
Bild: Das Geschäft Montblanc-Fiedler nach 1945
Das Geschäft Montblanc-Fiedler nach 1945
Bild: Körnerplatz 8 um 1990
Körnerplatz 8 um 1990
Bild: Kleinste Galerie Deutschlands – Körnerplatz 8. Eröffnung 1990. Foto: Volker Lenkeit
Kleinste Galerie Deutschlands – Körnerplatz 8.
Eröffnung 1990. Foto: Volker Lenkeit